Es ist Dezember. Der vorweihnachtliche Trubel fällt nicht wirklich auf, es sei denn man verirrt sich auf einer Einkaufsstraße – schmerzerregender Kitsch, beinahe stilvoll schimmernde Bäume, Art-Kulissen aus Schrott... Beim Schmücken der Seitenstraßen ist allein der Kreativsinn des Einzelnen gefragt. Zwar wünscht man sich bei manchem Anblick - richtige Qual fürs Gemüt - Weihnachten einfach weg, doch sogar die unsympathischste Verzierung deutet auf eine Art untrügliches Empfinden des Bürgers. Vielleicht spricht diese nicht unbedingt für sein Gefühl für das Ästhetische, doch schon für eine gewisse geistige Emotionalität. Es bewegt sich was. Noch.
Man kann sich fragen: Bringt der bunte Balkon tatsächlich zur Besinnung? Oder aber: Hat Tradition ausgedient und ist wie aus Versehen letztendlich ins Groteske verfallen? Nun, wir sind das Volk, wir müssten eigentlich am besten wissen, wie es uns damit geht, was um uns herum tanzt.
Auf der Suche nach einer Antwort auf die Fragen, ob Tradition noch Sinn macht, wenn ja, welchen und vor allem für wen, hat sich der Gedanke an einen frischen Hauch festiver Stimmung aufgedrängt. Wie könnte die Weihnachtsroutine par excellence verjüngt und wieder sinngeladen werden. Und wenn sinngeladen zu pompös klingt, so möge man wenigstens von einer positiven Welle sprechen. Muss etwas Außerirdisches her? Das abstrakte Unbekannte vielleicht? Etwas, was uns über uns selbst fröhlich lachen lässt: Über unsere Wichtigkeiten, Illusionen, Tagesabläufe, Geschäfte, Feste. Ein verfremdetes, aber zeitgemäßes Sinnbild, das über die Tradition hinausgeht, mit ihr bricht und gleichzeitig seine Legitimität aus ihr schöpft.
Diesem Gedankengang folgend hat ein namenloses Kreativ-Duo Petitfit ersonnen. Die Entstehungsreise von Petitfit beginnt mit einem vorweihnachtlichen Traditionsbruch: Er hat nämlich – auf gut Deutsch gesagt – keinen Bock auf das Übliche. Zwar hat er das Weihnachtsmannkostüm angezogen, jedoch nur aus Trotz: Weil es eben gar nicht zu ihm passt. Wie oft tun wir das, was wir eigentlich gar nicht tun wollen! Täglich?
Unser Petitfit ist genau das, wonach er aussieht: Ein Schmalfüßler mit Rüssel. Er lässt sich nichts gefallen, schnüffelt gern und berichtet manchmal von den übelsten Gerüchen, die an seiner XXXL-Nase vorbeiziehen.
Im Rahmen des Petitfit-Konzeptes wird sich Schnüffelnase im kommenden Jahr die schönen und weniger schönen Macken der hier und jetzt verfliegenden Zeit vornehmen und mit komisch-sympathisch-absurder Neugier unsere Wege begleiten und diese auf seine Art und Weise beschreiben.
Und jetzt, bevor das alles losgeht, schenkt euch Petitfit folgendes Appetithäppchen als Anregung für das Weihnachtsmenü:
„Man borge sich zinsfrei, am besten vom Nachbarn, einen großen massiven Holztisch, rolle eine Packung türkischen Blätterteig aus und streue zunächst eine Gewürz- und Gemüsemischung aus dem mitteleuropäischen Raum darauf. Na ja, die wenigsten Gewürze und Gemüsesorten haben ihre Herkunft wirklich im europäischen Raum, aber wir lassen uns davon nicht stören: Bärlauch, Kartoffeln, Majoran, Karotten, Meersalz, Pastinaken, getrocknete Tomaten, Äpfel und Basilikum. Eine Prise durbanischer Zucker dazu geben, um den aufgrund der in diesem Jahr kriselnden Ernte leicht bitteren Geschmack zu neutralisieren. Achtung: Nur eine Prise Zucker, sonst wird die Füllung zu süß und man müsste wieder zu Mitteleuropa greifen. Je nachdem, ob das Weihnachtsmenü unvergesslich oder eher leicht bekömmlich werden soll, verfeinere man entweder mit nordkoreanischem Chili (hält garantiert alle wach) oder aber griechischem edelsüßen Paprika. Hier wird wieder um höchste Vorsicht gebeten: Nehme man von beiden zu viel, würde sich unvergesslich in nie wieder und leicht bekömmlich in schwer verdaulich verwandeln. Zu wenig davon ändert vorerst nichts am Geschmack, wäre dann also überflüssig. Als letztes reibe man Schafskäse aus dem Balkan über diese Spezialität und beschmiere die Enden und Kanten mit hundertprozentiger amerikanischer Erdnussbutter – nach Möglichkeit mit Bio-Siegel –, sodass beim Zusammenrollen die klebrige Masse dafür sorgt, dass das Weihnachtsschlamassel nicht ausläuft. Die so entstandene Schnecke im vorgeheizten Ofen 35 Minuten nach schweizerischem Muster goldgelb backen, herausnehmen, mit einem Kufiya-Tuch bedecken und Geduld üben. Immer wieder ein bisschen probieren, bis der Leckerbiss lauwarm geworden ist. Mit einem Glas Grauburgunder und italienischem Enthusiasmus genießen.“
In diesem Sinne empfiehlt euch Petitfit einen wundersamen weihnachtlichen Traditionsbruch und freut sich auf euch im Neuen Jahr! Und lasst euch dieses ein bisschen politisch aufgeladene Manifest munden.
Ein Blog über Politisches, Soziales und Kulturelles. Mit Text, Bild und Ton. Für zeitgemäße Menschen.
Samstag, 24. Dezember 2011
Samstag, 13. August 2011
Philosophie des ideologischen Untergangs
Im ZEITmagazin vom 11. August 2011: "Meine Tochter hat mich gefragt: 'Stimmt das, Papa, du wirst für die NPD kandidieren? Ich habe doch allen gesagt, du bist ein Linksradikaler', erzählt [Bernd] Rabehl und lehnt sich amüsiert zurück. 'Für mich war das ein Spiel'. [...] Seine Familie habe das gar nicht verstanden mit der Kandidatur, sagt er und lächelt herausfordernd. [Rabehl war 2009 für kurze Zeit als Bundespräsidentenkandidat von NPD und DVU im Gespräch]. Dabei sei er doch nur sich selbst treu geblieben: 'Ich bin rechts, weil es keine Linke mehr gibt.'" (http://www.zeit.de/2011/33/Mahler-Rabehl)
Was wenn vorwärts das Potenzial der rückwärts-Bewegung bejubelt? Was wenn große Denker das Recht beanspruchen, eine Nation zu führen und im Kern ihrer Philosophie falsch liegen? Was wenn Freiheitsberaubung zum Spiel wird? Was wenn rechts gleich links ist? Und was wenn Revolution durch Manipulation entwertet wird?
Die Frage ist, wen ernährt das revolutionäre Gedankengut? Und wer eigentlich wie Revolution versteht? Wenn rechts die Alternative zu links ist, wird die Grenze dazwischen nicht überflüssig? Der Oberbegriff für beides lautet dann Extrem. Was für eine Argumentation ist diejenige, die auf Idealanpassung gründet?
Wie beruhigend, dass heute, am 13. August 2011, anlässich des 50. Jahrestags des Mauerbaus ein überregionales Zeichen gegen die massive Freiheitsberaubung gesetzt wird, gegen Diktatur und Rechthabe. Grenzen sind sinnvoll, als pädagogische Maßnahmen oder als Symbol für Kulturunterschiede. Doch kann deren Errichtung bzw. deren Schwinden im politischen Sinn die Menschenwürde angreifen. Die Revolution darf nicht als Anarchie verstanden werden. Ein Menschenleben darf nicht prekären Ideologien zum Opfer fallen.
Für Grenzen, aber gegen Ausgrenzung.
Was wenn vorwärts das Potenzial der rückwärts-Bewegung bejubelt? Was wenn große Denker das Recht beanspruchen, eine Nation zu führen und im Kern ihrer Philosophie falsch liegen? Was wenn Freiheitsberaubung zum Spiel wird? Was wenn rechts gleich links ist? Und was wenn Revolution durch Manipulation entwertet wird?
Die Frage ist, wen ernährt das revolutionäre Gedankengut? Und wer eigentlich wie Revolution versteht? Wenn rechts die Alternative zu links ist, wird die Grenze dazwischen nicht überflüssig? Der Oberbegriff für beides lautet dann Extrem. Was für eine Argumentation ist diejenige, die auf Idealanpassung gründet?
Wie beruhigend, dass heute, am 13. August 2011, anlässich des 50. Jahrestags des Mauerbaus ein überregionales Zeichen gegen die massive Freiheitsberaubung gesetzt wird, gegen Diktatur und Rechthabe. Grenzen sind sinnvoll, als pädagogische Maßnahmen oder als Symbol für Kulturunterschiede. Doch kann deren Errichtung bzw. deren Schwinden im politischen Sinn die Menschenwürde angreifen. Die Revolution darf nicht als Anarchie verstanden werden. Ein Menschenleben darf nicht prekären Ideologien zum Opfer fallen.
Für Grenzen, aber gegen Ausgrenzung.
Donnerstag, 4. August 2011
Super 8 Preview
Kulturelles (Film)
veröffentlicht am 4. August 2011 auf www.huldigungderkuenste.de.
Damit der Kinobesuch ein inspirierendes Ereignis wird, braucht die Vorführung eine Mischung aus spannender Geschichte, stiller Innovation, hervorragenden Schauspielern und etwas Tradition, die den Rahmen für das eingebettete Novum schafft und eine Art fantastischen Bezug bzw. Rückkehr zur realen Welt erlaubt. Was kennen wir schon, aber irgendwie auch nicht? Was könnte aus der Leinwand den Atem rauben, fesseln, die Zweifel ankämpfen, den Zuschauer mitnehmen und für Begeisterung sorgen? Wie wäre es mit Aliens? Oder mit außergewöhnlichen Menschen?
J. J. Abrams als Regisseur und Steven Spielberg als Produzent haben in Super 8 eine Geschichte entstehen lassen, die schlicht als Hommage bezeichnet werden könnte: An die kindliche Naivität und Enthusiasmus, an das Super 8 Filmformat und an die Alien-Figur. Die Natürlichkeit der jungen Schauspieler, der abgedroschene Auftritt der US Spezialeinheit und die Musik von Michael Giacchino ergänzen einander und deuten eine Erfolgskonstellation an.
Die Geschichte ist einfach: Im Sommer des Jahres 1979 bezeugen ein paar Teenager in einer kleinen fiktionalen Stadt in Ohio beim Dreh ihres Amateurfilms mit einer Super 8 ein Zugunglück. Bald darauf geschehen seltsame Dinge, Menschen und Gegenstände verschwinden. Die tatsächliche Handlung dreht sich jedoch weniger um diese Geschehnisse, vielmehr wird der Zuschauer von seinen Sympathien für die jungen Darsteller durch das Bild geführt. Sie sind interessant, ansprechend, anregend, fast idealistisch mit ihrem Vorhaben, einen Film zu drehen. Das Drumherum kommt und geht, wie ein Gefunkel, das nie das Bild verlässt, aber auch nicht wirklich da ist. Die Charaktere treten in den Vordergrund und überschatten das sonst – das darf ruhig ausgesprochen werden – einfallslose Ufo-Szenario. Sogar in einem der spannendsten Augenblicke wirkt das Gesicht des US-Spezialagenten Nelec (Noah Emmerich) furchteinflößender als der Ausdruck des unsichtbaren Wesens. Dass Aliens meistens als hässliche, oft mit Tentakeln, Antennen, Facettenaugen und kompliziertem Mundwerkzeug versehene Geschöpfe unermesslicher Intelligenz von den Filmemachern dargestellt werden, ist nicht neu. Dem Aussehen nach so unmenschlicher wie möglich, dem Wesen nach jedoch humaner als nötig. Aliens sind böse, aber ihre Boshaftigkeit resultiert meistens daraus, dass die Erdenbürger noch böser sind. Eigentlich bleibt die außerirdische Kreatur in Super 8 im Hintergrund. Ihre insektartige Form wird anfangs nur angedeutet, sie besitzt Superkräfte, frisst Menschen und verfolgt seit Jahren ein einziges Ziel: Sie will nach Hause. Plausibel. Hätte man auf das seichte Ende verzichtet, das aber durchaus durch den Abspann ausbalanciert wird, und stattdessen auf einen nüchternen Mensch-Alien-Abschied gesetzt, wäre der fantastische Moment möglicherweise besser gelungen. Aber es gehört zu dieser Art Filme dazu, kitschige Details zu verwenden und die Großartigkeit einer Szene durch das Einsetzen der Übertreibung als Stilmittel erreichen zu wollen. Es gibt brillante Alienfilme und –serien, Unheimliche Begegnung der dritten Art, E. T. oder Taken z. B., sogar in Independance Day und Men in Black scheint das Konzept Alien vollkommener zu sein. Doch um Aliens geht es in Super 8 nicht, zumindest nicht vordergründig. Das Ziel scheint nicht gewesen zu sein, ein Alien-Bild zu schaffen, das bedroht oder verzaubert. Vielmehr wird im Film gezeigt, dass vor allem Menschen andere Menschen inspirieren, ihnen Mut machen können; dass Freundschaften den Zusammenhalt stützen und Ideen wachsen lassen. Es geht um Träume, Liebe, Freiheit und darum, loszulassen und nach vorne zu blicken.
Super 8 ist ein wunderbares Kinoereignis. Eine Empfehlung sei hiermit ausgesprochen.
Kinostart: 4. August 2011
Trailer.
veröffentlicht am 4. August 2011 auf www.huldigungderkuenste.de.
Damit der Kinobesuch ein inspirierendes Ereignis wird, braucht die Vorführung eine Mischung aus spannender Geschichte, stiller Innovation, hervorragenden Schauspielern und etwas Tradition, die den Rahmen für das eingebettete Novum schafft und eine Art fantastischen Bezug bzw. Rückkehr zur realen Welt erlaubt. Was kennen wir schon, aber irgendwie auch nicht? Was könnte aus der Leinwand den Atem rauben, fesseln, die Zweifel ankämpfen, den Zuschauer mitnehmen und für Begeisterung sorgen? Wie wäre es mit Aliens? Oder mit außergewöhnlichen Menschen?
J. J. Abrams als Regisseur und Steven Spielberg als Produzent haben in Super 8 eine Geschichte entstehen lassen, die schlicht als Hommage bezeichnet werden könnte: An die kindliche Naivität und Enthusiasmus, an das Super 8 Filmformat und an die Alien-Figur. Die Natürlichkeit der jungen Schauspieler, der abgedroschene Auftritt der US Spezialeinheit und die Musik von Michael Giacchino ergänzen einander und deuten eine Erfolgskonstellation an.
Die Geschichte ist einfach: Im Sommer des Jahres 1979 bezeugen ein paar Teenager in einer kleinen fiktionalen Stadt in Ohio beim Dreh ihres Amateurfilms mit einer Super 8 ein Zugunglück. Bald darauf geschehen seltsame Dinge, Menschen und Gegenstände verschwinden. Die tatsächliche Handlung dreht sich jedoch weniger um diese Geschehnisse, vielmehr wird der Zuschauer von seinen Sympathien für die jungen Darsteller durch das Bild geführt. Sie sind interessant, ansprechend, anregend, fast idealistisch mit ihrem Vorhaben, einen Film zu drehen. Das Drumherum kommt und geht, wie ein Gefunkel, das nie das Bild verlässt, aber auch nicht wirklich da ist. Die Charaktere treten in den Vordergrund und überschatten das sonst – das darf ruhig ausgesprochen werden – einfallslose Ufo-Szenario. Sogar in einem der spannendsten Augenblicke wirkt das Gesicht des US-Spezialagenten Nelec (Noah Emmerich) furchteinflößender als der Ausdruck des unsichtbaren Wesens. Dass Aliens meistens als hässliche, oft mit Tentakeln, Antennen, Facettenaugen und kompliziertem Mundwerkzeug versehene Geschöpfe unermesslicher Intelligenz von den Filmemachern dargestellt werden, ist nicht neu. Dem Aussehen nach so unmenschlicher wie möglich, dem Wesen nach jedoch humaner als nötig. Aliens sind böse, aber ihre Boshaftigkeit resultiert meistens daraus, dass die Erdenbürger noch böser sind. Eigentlich bleibt die außerirdische Kreatur in Super 8 im Hintergrund. Ihre insektartige Form wird anfangs nur angedeutet, sie besitzt Superkräfte, frisst Menschen und verfolgt seit Jahren ein einziges Ziel: Sie will nach Hause. Plausibel. Hätte man auf das seichte Ende verzichtet, das aber durchaus durch den Abspann ausbalanciert wird, und stattdessen auf einen nüchternen Mensch-Alien-Abschied gesetzt, wäre der fantastische Moment möglicherweise besser gelungen. Aber es gehört zu dieser Art Filme dazu, kitschige Details zu verwenden und die Großartigkeit einer Szene durch das Einsetzen der Übertreibung als Stilmittel erreichen zu wollen. Es gibt brillante Alienfilme und –serien, Unheimliche Begegnung der dritten Art, E. T. oder Taken z. B., sogar in Independance Day und Men in Black scheint das Konzept Alien vollkommener zu sein. Doch um Aliens geht es in Super 8 nicht, zumindest nicht vordergründig. Das Ziel scheint nicht gewesen zu sein, ein Alien-Bild zu schaffen, das bedroht oder verzaubert. Vielmehr wird im Film gezeigt, dass vor allem Menschen andere Menschen inspirieren, ihnen Mut machen können; dass Freundschaften den Zusammenhalt stützen und Ideen wachsen lassen. Es geht um Träume, Liebe, Freiheit und darum, loszulassen und nach vorne zu blicken.
Super 8 ist ein wunderbares Kinoereignis. Eine Empfehlung sei hiermit ausgesprochen.
Kinostart: 4. August 2011
Trailer.
Sonntag, 31. Juli 2011
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