Samstag, 13. August 2011

Philosophie des ideologischen Untergangs

Im ZEITmagazin vom 11. August 2011: "Meine Tochter hat mich gefragt: 'Stimmt das, Papa, du wirst für die NPD kandidieren? Ich habe doch allen gesagt, du bist ein Linksradikaler', erzählt [Bernd] Rabehl und lehnt sich amüsiert zurück. 'Für mich war das ein Spiel'. [...] Seine Familie habe das gar nicht verstanden mit der Kandidatur, sagt er und lächelt herausfordernd. [Rabehl war 2009 für kurze Zeit als Bundespräsidentenkandidat von NPD und DVU im Gespräch]. Dabei sei er doch nur sich selbst treu geblieben: 'Ich bin rechts, weil es keine Linke mehr gibt.'" (http://www.zeit.de/2011/33/Mahler-Rabehl)

Was wenn vorwärts das Potenzial der rückwärts-Bewegung bejubelt? Was wenn große Denker das Recht beanspruchen, eine Nation zu führen und im Kern ihrer Philosophie falsch liegen? Was wenn Freiheitsberaubung zum Spiel wird? Was wenn rechts gleich links ist? Und was wenn Revolution durch Manipulation entwertet wird?
Die Frage ist, wen ernährt das revolutionäre Gedankengut? Und wer eigentlich wie Revolution versteht? Wenn rechts die Alternative zu links ist, wird die Grenze dazwischen nicht überflüssig? Der Oberbegriff für beides lautet dann Extrem. Was für eine Argumentation ist diejenige, die auf Idealanpassung gründet?
Wie beruhigend, dass heute, am 13. August 2011, anlässich des 50. Jahrestags des Mauerbaus ein überregionales Zeichen gegen die massive Freiheitsberaubung gesetzt wird, gegen Diktatur und Rechthabe. Grenzen sind sinnvoll, als pädagogische Maßnahmen oder als Symbol für Kulturunterschiede. Doch kann deren Errichtung bzw. deren Schwinden im politischen Sinn die Menschenwürde angreifen. Die Revolution darf nicht als Anarchie verstanden werden. Ein Menschenleben darf nicht prekären Ideologien zum Opfer fallen.
Für Grenzen, aber gegen Ausgrenzung.




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